Woher trägst du?

20.06.2014 14:13

Faires Shirt mit fairem Motiv: Alle Teilnehmer können ein T-Shirt bedrucken

Warum ich mich auf einmal dringend umziehen wollte..

Ann-Marlen Hoolt, News4U

Während sich der Marktplatz in Siegburg langsam mit Besuchern füllt, die sich auf Trommelworkshops oder Kreativangebote freuen, beschließe ich den Freitagmorgen für etwas anderes zu nutzen. Denn hier hat die Evangelische Jugend Bad Honnef auch einen Aktionsstand für fair gehandelte und produzierte Kleidung aufgebaut.

Im Alltag achte ich nicht allzu genau darauf, woher meine Kleidung stammt – und verdränge erfolgreich das schlechte Gewissen. Nun gut. Jetzt setze ich mich ganz gezielt damit auseinander.

Zunächst betrete ich die „Black Box“, die die Arbeitsumstände von Näherinnen simulieren soll. Die Luft ist erfüllt vom Geruch der Gummiplanen, mit denen der gesamte Raum verkleidet ist. Von der Decke herab spendet eine Leuchtstoffröhre spärliches Licht. Mir fällt sofort die Nähmaschine auf, die in einer Ecke steht. Es ist beklemmend, eng und stickig. Unwillkürlich sehe ich an mir herunter. Ich trage Jeans von Primark und ein Sweatshirt von H&M.

Eine große Stellwand mit Plakaten verkündet, wie sich der Preis eines T-Shirts zusammensetzt und welche Konzerne einigermaßen fair produzieren. Dazwischen hängen Bilder, die den Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch dokumentieren. In mir wächst das Bedürfnis, meine Kleidung zu wechseln. Eine Mitarbeiterin kommt auf mich zu und drückt mir einen grünen Zettel in die Hand: „Hättest du Lust, ein Quiz zu machen?“

Eine gute Ablenkung, hoffe ich. Ich mache also das Quiz und durchforste die Plakate auf der Suche nach den richtigen Lösungen. Auch Are Hendrik versucht seinen Fragebogen auszufüllen. Der 12 jährige steht neben mir, findet das Thema interessant und sagt, er lernt dabei gleich ein paar Dinge. „Zum Beispiel, dass die Arbeiter so oft Überstunden machen müssen.“ Doch eigentlich macht er das Quiz aus einem ganz anderen Grund: „Ich will doch ein T-Shirt haben.“

Da ist er nicht der Einzige. Im dritten Teil des Standes stehen die Besucher Schlange. Wer mag, hat dort die Möglichkeit, ein fair gehandeltes T-Shirt zu bedrucken. „Sie sind für alle Camp Teilnehmer kostenlos“, sagt Mitarbeiterin Theresa Ruckelshauß, die sich seit sieben Jahren in der Evangelischen. Jugend engagiert. „Aber nur wer vorher das Quiz gemacht hat, bekommt auch ein T-Shirt.“

Auch ich komme nicht umhin mir, nach dem erfolgreich abgeschlossenen Quiz, eines der T-Shirts, die vom Label „3Freunde“ zu fairen Bedingungen in Indien produziert wurden, zu bedrucken. „Eine einfache, gute Art, um Flagge zu zeigen“, meint Tanja Kraski und bringt ihrem Sohn gleich ein T-Shirt mit.

Irgendwie kann ich den Gedanken nicht verdrängen, dass sich die meisten Besucher des Stands mehr für die T-Shirts als für die Infowände interessieren. Aber ich für meinen Teil bin froh mich damit beschäftigt zu haben. Ich werde beim nächsten Einkauf garantiert zweimal auf das Etikett schauen. Und solange der Stand, die T-Shirts und das Quiz irgendwie bei den Teilnehmern im Gedächtnis bleiben, haben die Engagierten der Evangelischen Jugend Bad Honnef  ihr Ziel erfüllt. 


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