Das Spiel mit der Bedeutung

20.06.2014 21:50

Nichts hat im Leben eine Bedeutung: Pierre Anthon beschließt auf einem Pflaumenbaum zu leben

Das Theaterstück „Nichts, was im Leben wichtig ist“ setzt sich mit dem Sinn des Lebens auseinander. 
Ann-Marlen Hoolt, News4U

Nebel zieht auf. Auf der Bühne stehen Holzkisten und das Gerippe eines großen Baumes.  Düstere Musik ertönt und eine Frau tritt auf. Mit starrem Blick verkündet sie: „Mit der Bedeutung soll man nicht Spaßen.“

Dies war der Auftakt für ein Stück, dem sich die Zuschauer nicht entziehen können. In der Aula des Gymnasiums Alleestraße führte das Junge Theater Bonn „Nichts, was im Leben wichtig ist“ auf. Die Parabel über die Suche nach dem Sinn des Lebens basiert auf dem Jugendbuch „Nichts“ der dänischen Autorin Jane Teller.

Die Handlung: Pierre Anthon verlässt plötzlich die Schule, um auf einem Pflaumenbaum zu leben, weil, wie er sagt, nichts im Leben eine Bedeutung hat. Seine Klasse will das nicht hinnehmen – weil schließlich so vieles im Leben von Bedeutung ist. Um ihren Mitschüler vom Baum herunter zu holen, beginnen die Jugendlichen Dinge, die ihnen wichtig sind, zusammenzutragen. Doch dabei eskaliert die Situation mehr und mehr.

Trotz seines großen Erfolges wurde der Roman mitunter kontrovers diskutiert. Und wer sich das Stück angeschaut hat, weiß auch warum. Der fromme Kai muss den Jesus aus der Kirche stehlen, Gerda opfert ihren Hamster, Jan-Johan einen Finger. Das Stück ist ergreifend, intensiv und entlässt die Zuschauer mit mehr Fragen als Antworten.

„Wir wollen Diskussionen anregen und Denkanstöße schaffen“, sagt der stellvertretende Intendant Lajos Wenzel. „Gerade für Jugendliche wirft das Stück existenzielle Fragen nach Werten, Zusammenleben und Sinnhaftigkeit auf.“ Die Botschaft wird durch die eindrucksvolle Inszenierung unterstrichen. Musik und Lichteffekte sorgen für eine Theatererfahrung, die durch Mark und Bein geht.

Nach dem Stück boten die Schauspieler, allesamt Jugendliche aus Bonn und Umgebung, die Möglichkeit über das Stück zu sprechen und Fragen zu beantworten. „Das müsst ihr auch erst mal sacken lassen“, empfiehlt Julia Funke, die sich den Fragen stellt. Seit 2012 wird das Stück nun aufgeführt und die intensive Vorbereitung ging auch an den Darstellern nicht spurlos vorbei. So auch an Justus Einig: „Indirekt fragt sich ja jeder, was im Leben wichtig ist. Seit ich hier mitspiele, hinterfrage ich die Dinge, die ich erlebe mehr.“

Es ist kein leichter Stoff, der den Zuschauern geboten wurde. Doch vielleicht passt er gerade deswegen gut ins Jugendcamp. Der eine oder andere wird sich noch lange Gedanken um „Nichts“ machen.    


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