Verurteilt und Verstoßen

21.06.2014 19:12

Ulrike Vestring und Sabine Werner in der Diskussion mit den Workshop-Teilnehmern

Nicht jeder Jugendliche genießt so viel Freiheit und Fairness wie wir.
Moritz Jahns, News4U

Es ist Nacht und alles ist ruhig. Plötzlich Schritte, jemand klopft an die Tür. Soldaten stehen vor der Tür. „Alle an die Wand“, rufen sie, als sie die Wohnung betreten. Sofort durchsuchen die Soldaten alle Räume und ergreifen den ersten Jungen, den sie finden. Während die Eltern und seine Geschwister entsetzt an einer Wand des Zimmers stehen, wird der Elfjährige gefesselt und abgeführt. Nachdem die Soldaten ihm die Augen verbinden, stecken sie ihn in ein Auto und fahren weg. Wohin sie fahren ist unklar. Der Junge soll mit Steinen auf ein Fahrzeug geworfen haben.

Solche dramatischen Erlebnisse sollen kein Einzelfall sein. Ganz im Gegenteil: In Palästina spielen sich solche Verhaftungen laut Sabine Werner und Ulrike Vestring von „FrauenWegeNahost“ täglich ab. „Nachdem die Jugendlichen in Untersuchungshaft kommen, werden diese unter starkem Druck verhört“, sagt Werner. In den meisten Fällen legen sie dort ein Geständnis ab. Auch das Richterurteil ist meist das gleiche. „Die Jugendlichen erhalten eine Geldstrafe und sind dann auf auf Bewährung frei“, berichtet Ulrike Vestring.

Dies heißt nicht, dass die Jugendlichen dann keine Probleme mehr haben. Laut Aussagen Betroffener wenden sich die anderen Jugendlichen und die gesamte Nachbarschaft von ihnen ab. „Die Nachbarn haben Sorge, dass die verhafteten Jugendlichen Spitzel sein könnten“, so Werner. Somit erleiden die Jugendlichen nicht nur Traumata – isoliert sind sie dazu.

Die Lage im Nahen Osten verstehen zu können, ist nicht einfach. Das israelische Militär besetzt seit 1967 palästinensisches Gebiet, weil sich die israelische Regierung auf Grenzen beruft, die im Alten Testament beschrieben sind. Das israelische Militär tue alles, um die Palästinenser aus diesem Gebiet zu vertreiben, erzählt Werner.

Oft würden Checkpoints Schüler und Studenten behindern. Dabei durchsuchen Soldaten die Zivilisten, bevor sie weitergehen dürfen. Schüler und Studenten verpassen dadurch immer wieder Unterrichtstunden und Vorlesungen. Gerüchten zufolge errichtet das Militär zusätzliche Checkpoints an Prüfungstagen der Universitäten, um die palästinensischen Studenten weiter zu behindern.

Trotz der ganzen Probleme gibt es auch Lichtblicke. So helfen unterschiedlichste Organisationen den Jugendlichen. Manche bringen Verurteilte zusammen, damit sie sich untereinander über ihre Erfahrungen austauschen können. Wenigstens finden die Jugendlichen Verständnis, Vertrauen und eine kleine Form von Gemeinschaft.    


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